Waldbewirtschaftung

Sie möchten mehr zur Art und Weise der Waldbewirtschaftung wissen? Hier erhalten Sie wichtige Informationen, z.B. dass:

  • sich der Holzvorrat im Forstrevier Schauenburg in den letzten knapp 100 Jahren mehr als verdoppelt hat,
  • die Zusammensetzung der Baumarten auf die klimatisch bevorstehenden Veränderungen angepasst wird,
  • im Revierwald rund 450’000 Tonnen CO2 gespeichert sind.

Diese Angaben stammen aus dem Betriebsplan Forstrevier Schauenburg 2012 bis 2027.

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Was ist ein Betriebsplan (BEP)

Waldbesitzer mit einer Mindestwaldfläche von 25 Hektaren sind gemäss Waldgesetzgebung betriebsplanpflichtig. Der Betriebsplan ist vergleichbar mit einem „Businessplan“, mit welchem Ziele definiert werden und anhand einer Strategie aufgezeigt wird, wie diese Ziele erreicht werden sollen.

Er ist ein langfristiges Planungsinstrument, basierend auf den folgenden kantonalen Grundlagen:

  • WEP Waldentwicklungsplan Schauenburg-Hard-Birseck 2010 bis 2025, mit Regierungsratsbeschluss Nr. 1311 vom 21.09.2010 in Kraft gesetzt
  • Bestandeskarten 2008
  • Permanente kantonale Kontrollstichproben (Inventur):
    Frenkendorf: Erstaufnahme: 1997. Folgeaufnahme: 2008
    Pratteln: Erstaufnahme: 1988. Folgeaufnahme: 2008
    Muttenz: Erstaufnahmen 1990. Folgeaufnahme: 2008
  • Wirtschaftspläne: BG Frenkendorf (1997), BG Muttenz (1990), BG Pratteln (1997)

Der Betriebsplan ermöglicht dem Betriebsleiter, die jährliche Massnahmenplanung mittels eines geografischen Informationssystems durchzuführen, zu dokumentieren, zu analysieren und deren Umsetzung zu kontrollieren.

Er ist auch ein wichtiger Teilbereich der Gruppenzertifizierung FSC und muss diesen Mindestanforderungen ebenfalls gerecht werden.

Gesetzliche Grundlagen/Konzepte für die Waldbewirtschaftung

Bund

Kanton

Gemeinde

Grundsätze der Waldbewirtschaftung

1. Licht als Steuerungselement

Das wichtigste Instrument zur Steuerung der Waldentwicklung ist das Licht. Durch die gezielte Entnahme von Bäumen (Durchforstung, Räumung, usw.) werden die Artenvielfalt, der Zuwachs und der Nachwuchs beeinflusst.

2. Waldbau

Gesunde, stabile Mischwälder werden angestrebt. Der Wald wird hauptsächlich im Femelschlagbetrieb (flächige Verjüngung) und mit Durchforstungen (Zuwachssteuerung) bewirtschaftet. Mit der Jungwaldpflege wird eine hohe Artenvielfalt erreicht.

Dort, wo der Wald verjüngt wird, geschieht dies hauptsächlich mit Hilfe von Pflanzungen. Ziel ist es, die relativ einseitige Baumartenzusammensetzung im Wald zu verändern. Weiter wird mit dem Einbringen von wärme- und trockenresistenten Baumarten dem drohenden Klimawandel vorgebeugt. Am häufigsten wird im Forstrevier die Traubeneiche gepflanzt. Pro Jahr können bis zu maximal fünf Hektaren Wald im Forstrevier verjüngt werden.

3. Ökologie, Naturschutz

a) Waldränder

Das Forstrevier verfügt über ein Waldrandpflegekonzept. Zusammen mit dem Kanton und den Einwohnergemeinden sollen in der laufenden Betriebsplanperiode alle Waldränder der ersten Priorität (besonders wertvoll) aufgewertet werden. Mit dem gezielten Pflanzen von Baum- und Straucharten wird die Biodiversität erhöht.

b) Naturschutzgebiete

Verschiedene Waldgebiete wurden in der Vergangenheit als Naturschutzflächen ausgeschie­den und vertraglich geschützt. Die Bewirtschaftung dieser Waldungen erfolgt zur Erreichung der Schutzziele und ist mit der kantonalen Fachstelle für Naturschutz abgesprochen. Die Naturschutzflächen befinden sich hauptsächlich auf Muttenzer Gemeindegebiet und beinhalten rund 80 Hektaren Wald (ca. 10% der Revierfläche).

Die Bürgergemeinden sind bereit, auf freiwilliger Basis Altholzinseln oder Habitatbäume auszuscheiden. Bis Ende 2018 werden die Habitatbäume und die Altholzinseln bestimmt sein.

4. Erholung

Das gesamte Waldgebiet wird von der lokalen Bevölkerung für verschiedenste Aktivitäten und/oder Erholung aufgesucht. Der Pflege und Instandhaltung der Waldstrassen wird ein besonderes Augenmerk geschenkt. Der Wald bietet Platz für diverse Infrastrukturanlagen wie beispielsweise Grillplätze, Vita-Parcours, Finnenbahnen, Bike-Pisten, Waldkindergärten, Hütten und Kletterfelsen.

5. Holznutzung

Einige Kennzahlen:

  • Vom Kanton bewilligter Hiebsatz im Forstrevier pro Jahr = 6’000 bis 7’400m3
  • Durchschnittliche Nutzung von 1994 bis 2010 = 6’800m3 pro Jahr
  • Holzvolumen im Revierwald = rund 243’000m3, bzw. 312m3 pro Hektare
  • Holzzuwachs pro Jahr und Hektare = 8m3
  • Der Revierwald bindet rund 450’000 Tonnen CO2 (Speicher). Pro Jahr werden auf Grund des Zuwachses rund 11’300 Tonnen CO2 gespeichert.

Der Wald liefert den einzigen, nachwachsenden Rohstoff, der in der Schweiz verfügbar ist. Er ist gleichzeitig ein wichtiger CO2-Speicher.

Das Holz wird im Rahmen der vom Kanton bewilligten Menge genutzt. Die vorgesehenen Holzschläge sind mit den Verantwortlichen abgesprochen, werden schriftlich in einem Nutzungsplan erfasst und anschliessend vom Amt für Wald bewilligt. Mit der Bewirtschaftung wird ein wichtiger Beitrag zur Walderhaltung geleistet.

Grossflächigere Einsätze werden – wo sinnvoll – angestrebt. Das Holz wird mit geeigneten Ernteverfahren (Einsatz von Grossmaschinen) verarbeitet. Befahren wird der Waldboden nur auf dafür vorgesehenen Rückegassen.

Die im Revier zusammengeschlossenen Bürgergemeinden Muttenz, Pratteln und Frenkendorf sind überzeugt, dass sie mit diesen Grundsätzen der Waldbewirtschaftung die gesetzten Ziele gemäss BEP bis 2027 erreichen.

Der Wald soll in seiner Artenvielfalt auch künftigen Generationen zur Verfügung stehen.

Waldfläche und Baumarten

Die Wälder im Eigentum der Bürgergemeinden Pratteln, Muttenz und Frenkendorf werden vom Forstrevier Schauenburg aus bewirtschaftet. Es beinhaltet rund 780 Hektaren Wald. Weitere ca. 73 Hektaren sind in Privatbesitz.

Der Revierwald besteht aus ca. 60% Buche, 10% Esche, 8% Ahorn und 3% Eiche. Auf der übrigen Waldfläche stocken diverse andere Laub- und Nadelhölzer.

Prozentualer Anteil der Baumarten im Forstrevier Schauenburg:

Leitbild (aus dem BEP)

Das Forstrevier Schauenburg bewirtschaftet die Waldungen der Bürgergemeinden Pratteln, Muttenz und Frenkendorf ergebnisorientiert, naturnah und nachhaltig.

Ökologie:

  • Wir wissen um die Wichtigkeit unseres Waldes als Rückzugsort für Menschen, Tiere und Pflanzen. Wir fördern artenreiche Bestände und führen, wo dies sinnvoll ist, gezielte Aufwertungsmassnahmen durch.
  • Wir sind uns bewusst, dass der Waldboden unser Kapital ist. Wir schonen und erhalten den Waldboden und befahren ihn immer an den gleichen Orten.
  • Wir bereiten den Wald auf die drohenden klimatischen Veränderungen vor.

Ökonomie:

  • Wir fördern gezielt ökonomisch wertvolle Baumarten und nutzen das Produktionspotenzial bestmöglich aus.
  • Wir führen Arbeiten für Dritte aus. Dabei arbeiten wir sauber, zügig und treten freundlich auf.
  • Wir tragen für Maschinen und Einrichtungen Sorge.
  • Wir setzen ausschliesslich qualifiziertes Personal und Unternehmer ein.

Personal:

  • Wir wissen um die Wichtigkeit und die Vorteile von eigenem Personal. Wir bieten dem Personal eine gute und zweckmässige Infrastruktur.
  • Wir stellen Personal und Unternehmer zu marktüblichen Preisen ein.
  • Wir bilden Forstwart-Lernende aus und tragen so zum Erhalt unseres Berufes bei.
  • Wir bieten unseren Mitarbeitenden eine abwechslungsreiche Tätigkeit und fördern die Aus- und Weiterbildung.
  • Wir treten stets freundlich auf. Wir erteilen jederzeit Auskunft und Aufklärung bezüglich ausgeführten Massnahmen.

Forstliches Glossar

Begriff Beschreibung
Bestand Waldteil, der sich von der Umgebung durch Baumartenzusammensetzung, Alter, Aufbau usw. wesentlich unterscheidet.
Betriebsart Bewirtschaftungsart des Waldes, die sich in der Verjüngungsmethode unterscheidet: Hochwald, Mittelwald, Niederwald.
Betriebsleiter Leiter eines Forstbetriebs.
Betriebsplanung Die Planung für die Bewirtschaftung des Waldes für Waldeigentümerinnen oder Waldeigentümer, die mehr als 25 ha Waldfläche besitzen ist mittelfristig (10-15 Jahre) und orientiert sich am Waldentwicklungsplan. Das Ergebnis ist der Betriebsplan.
Dauerwald siehe Plenterwald.
Femelschlag Räumlich geordnete, kleinflächige Entnahme von Bäumen der Oberschicht mit dem Ziel der Förderung der Naturverjüngung.
Festmeter Kubikmeter am liegenden Holz gemessen, im Gegensatz zur Silve.
Forstbetrieb Organisatorische Einheit eines meist öffentlichen Waldeigentümers, die mit der Aufgabe der Waldpflege- und Bewirtschaftung betraut ist.
Förster/Försterin Berufsbezeichnung für eine nach bisheriger Prägung an einer Försterschule ausgebildete Fachkraft (Betriebsleiterin/Betriebsleiter).
Forstrevier Waldareal einer oder mehrerer Gemeinden.
Erntefestmeter (efm) Der Festmeter (fm) ist ein Raummass für Holz. 1 Festmeter (fm) entspricht 1 Kubikmeter (m³) fester Holzmasse.
Gabholz Losholz, Bürgerholz: Holzmenge, welche die Bürger zu vergünstigten Bedingungen aus dem Bürgerwald beziehen dürfen.
Habitatbäume Alte Bäume, oft mit Baumhöhlen, die zugunsten der Artenvielfalt der Tier- und Pflanzenwelt im Wald stehen gelassen werden (Siehe auch Totholzinseln).
Hiebsatz Der Hiebsatz ist die in der forstlichen Planung festgesetzte Holznutzung, ausgedrückt als Menge (Silven) von anfallendem Holz und/oder als zu behandelnde Fläche.
Hochwald Heute übliche Betriebsart mit einer aus Kernwüchsen hervorgegangenen Oberschicht, bei welcher die Bäume im vollerwachsenen Zustand (ca. 120 Jahre) in relativ langen Umtriebszeiten genutzt werden.
Laufmeter (lfm) Die Masseinheit ist mit dem Meter gleichzusetzen. Ist eine Einheit, die in der forstlichen Planung für die Länge der Wege und Strassen verwendet wird.
Mittelwald Weiterentwicklung aus dem Niederwald mit einem zweischichtigen Aufbau. Die Unterschicht aus Stockausschlägen wird in kurzen Zeitabständen genutzt, die Oberschicht (Oberholz) aus durchgewachsenen Stockausschlägen und Kernwüchsen dient der Erzeugung von Bau- und Werkholz sowie als Mastbäume für die Waldweide. Typische Betriebsart vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert.
Naturnaher Waldbau Form der Behandlung von Beständen, die sich an den natürlichen Gegebenheiten und Abläufen orientiert bzw. diese einbezieht.
Niederwald Älteste Form der geregelten Waldnutzung, vorwiegend zur Brennholzgewinnung. Sie begünstigte Baumarten (Eichen, Hagebuchen) mit der Fähigkeit zum Stockausschlag und drängte dadurch die ursprünglich weitverbreitete Rotbuche zurück. Niederwald wird in kurzen Zeitabständen kahlgeschlagen.
Plenterwald Bewirtschaftungsform, als deren Folge sich im Idealfall Bäume aller Entwicklungsstufen (Alter) auf kleiner Fläche nebeneinander befinden.
Silven (sv) Vorrat am stehenden Holz, ermittelt durch einen Vorrats-Tarif (Tarif-Festmeter). Kann mit m3 gleichgesetzt werden.
Totholzinseln Werden als Lebensraum und -grundlage tausender Arten von Tieren, Pflanzen, Pilzen, Moosen und Flechten im Wald berücksichtigt (Achtung, höheres Unfallrisiko für Menschen / Siehe auch Habitatbäume).
Vorrat Holzmasse eines Bestandes ausgedrückt in Silven.
Zuwachs Positive Differenz zwischen zwei Zustandsgrössen zu Beginn und am Ende eines bestimmten Zeithorizontes. Der Zuwachs bezieht sich in der Regel auf die Holzmasse und wird in Silven pro Hektar und Jahr angegeben.